Abenteuer Honigbiene, Teil 3: Bioimkerei in der Wetterau

Bienenschuppen

Am 31. Mai war ich bei Peter und Andrea Pätzold in der Wetterau. Ich weiss, das ist schon eine Weile her, aber in den letzten Monaten waren Familie und Jobs wichtiger. Der Imkerzyklus soll trotzdem zu Ende erzählt werden und auch mit diesem Post wird noch nicht das Ende erreicht sein.

Peter und Andrea haben seit 35 Jahren eine große Hofreite und sind seit 30 Jahren Imker mit allen Erfolgen, Rückschlägen und Überraschungen, die dieser Beruf so mit sich bringt. Peter fing mit traditioneller Imkerei an und inzwischen haben Andrea und er eine Bioimkerei, die nach wie vor mit neuen Überlegungen und Experimenten lebendig gehalten wird.

Diese Seite ihres Bienenschuppens, der irgendwo in der Wetterauer Landschaft steht, ist die bunte Geschichte ihrer Imkerlaufbahn und zeugt von den verschiedensten Versuchen und auch von den spielerischen Händen der mittlerweile erwachsenen Kinder.

Korkbienenstock

Hier schlummert eine sicher ehemals bewohnte Korkvariante vor sich hin.

Auf der anderen Seite geht es dann schon richtig zur Sache. Seine Bienen seien recht friedlich, meint Peter, und er nähert sich ihnen ohne den typischen Imkeranzug. Mir gibt er aber einen Imkerhut mit Gesichtsschutz. Das ist eine echte Herausforderung damit zu fotografieren, doch ich kenne das ja schon von den Offenbacher Imkern.

Bienenstöcke
Bienenstöcke

Mein Besuch Ende Mai bei Peter und Andrea ist der Beginn der Honigernte. Bis zu 6 Wochen waren die Zargen mit dem Honigräumen auf den Beuten. Der Honigraum ist der oberste Kasten auf den Beuten (Bienenstöcken). Hier lagern die Arbeiterbienen den Nektar und die Pollen ein. Die Königin wird ausgesperrt, denn sie ist größer als die anderen Bienen und kann sich nicht durch das zwischengelegte Gitter zwängen. Also bleibt dieser Bereich frei von Brut.

Damit möglichst wenig Bienen im Honigraum sind wenn Peter ernten will, setzt er vorher eine Schleuse ein, die sogenannte Bienenflucht. Die Bienen können dann zwar noch raus, aber nicht mehr rein. Was sich später trotzdem in der Zarge tummelt, pustet er mit einem Gebläse ab. Mit dieser Methode muss er keine Wabe herausnehmen und abfegen, so wie das sonst üblich ist.

Bienenflucht

Peters Bus steht vollbeladen im Hof und er lädt die schweren Honigräume aus, die er an diesem Morgen an verschiedenen Orten eingesammelt hat. Für das Honigschleudern gibt es auf dem Hof einen eigenen Raum und Peter stapelt hier die vollen Zargen. Andrea und Peter haben etwa 100 Beuten, die bewirtschaftet werden und zu denen im Frühjahr noch 100 Ableger dazukommen. Die Beuten stehen an verschiedenen Standorten in der näheren Landschaft.

Honiglabor

Die Honigernte an diesem Tag ist erst der Anfang und es liegt eine Menge Arbeit vor den beiden.

Waben entdeckeln

Die vollen Honigwaben werden in ihren Rahmen aus den Zargen gehoben und auf einen Ständer gelegt. Die einzelnen vollen Zellen wurden von den Bienen mit einer dünnen Wachsschicht verdeckelt, die Andrea mit einer speziellen Gabel abschabt.

Honigwabe entdeckeln

Das Wachs wird aufgehoben und später eingeschmolzen, um neue Zwischenwände zu stanzen, die dann wieder mit Draht in die Holzrahmen eingelötet werden. Die Wachsschmelzerei lassen die beiden von einem darauf spezialisierten Betrieb machen. Es ist eine mühsame und zeitaufwendige Arbeit. Weil sich gerade im Wachs die Schadstoffe, Pestizide und so weiter einlagern und von dort aus in den Honig gelangen, muss die Wachsschmelzerei für die Bioimker der Region eigene Durchläufe fahren, vor denen die Maschinen penibel gereinigt werden müssen. Peter will nur sein eigenes Wachs zurückbekommen.

Honigwabe

Das Biozertifikat ist für Andrea und Peter teuer und mit Umständen verbunden. Peter grinst und erklärt:

„Da war gerade ein Kontrolleur da, und dann kam noch mal eine Kontrolleurin, die den Kontrolleur kontrolliert hat. Wenn bei uns Bio drauf steht ist garantiert Brio drin.“

Die Kontrolleure müssen von den beiden selbst bezahlt werden.

Andrea schabt sorgfältig einen Honigwabenrahmen nach dem anderen frei. In manchen Waben sind Pollen eingelagert hier zu sehen als hellgelbe Zellen, die später auch im Honig sind.

Honigwabe

Peter hängt die geöffneten Waben in die elektrische Schleuder, die erst langsam und schließlich immer schneller den Honig per Fliehkraft aus den Waben presst.

Honig schleudern
Honigschleuder
Honigschleuder

Der Honig wird an den Rand der Trommel gedrückt und fließt nach unten. Über einen Hahn läuft er dann zäh und klebrig in einen Eimer.

Es schwimmen noch ein paar Wachsreste und Verunreinigungen im Honig herum. Er wird deshalb durch ein Siebsystem in einen anderen Kessel gegossen.

Zwei feine Siebe liegen hier ineinander.

Danach steht der Honig 1 bis 2 Tage im Kessel. In dieser Zeit setzt sich an der Oberfläche eine Schicht aus kleinen Wachsresten ab, die Peter mit einem Spachtel abnimmt.

Zwischendrin nicht vergessen, den Hahn zuzudrehen, wenn der Eimer voll ist. Es wäre nicht das erste mal…

Jetzt kommt der Rührer in den Honig, der in Intervallen die Masse in Bewegung hält. Im Honig sind noch die winzigen kleinen Pollen, an denen der Zucker sich absetzt und kristallisiert. Der Rührer verhindert diese Klumpenbildung und rührt den Honig zu einer homogenen Masse.

Peter gibt etwas „Impfhonig“ dazu. Das ist Honig, der diesen Prozess bereits hinter sich hat und aus der letzten Charge abgenommen wurde. Er beschleunigt diesen Vorgang hier nun. Auch von diesem Honig wird später wieder ein Teil aufbewahrt als Impfhonig für den nächsten. So ein bisschen das Sauerteigprinzip.

Später bei meinem zweiten Besuch erfahre ich mehr über das Rühren. Die verschiedenen Blütenarten beeinflussen auch die Konsistenz des Honigs. Rapshonig ist cremig, was an der Zusammensetzung von Zuckerstoffen und Pollen im Honig liegt. Dieses Jahr und letztes Jahr war es allerdings so trocken, dass die Bienen nur Pollen und keinen Nektar in den Rapsblüten gefunden haben. Kein Nektar, kein Honig. Peter sagt, er hätte auch immer Ableger in die Linden gebracht. Aber der Honigraum blieb leer, weil die Blüten zu trocken waren.

Die Klimaänderungen haben große Auswirkungen auf die Zusammensetzung des Honigs. Früher musste bei Sommerhonig schnell gearbeitet werden, denn er kandierte rasch und blieb nicht lange im Kessel. Mittlerweile braucht er viel länger bis er die gewünschte Konsistenz erreicht hat. Diese Veränderungen bringen die Kesselbelegung durcheinander. Der Honig bleibt lange flüssig und ist dann so wie der dunkle flüssige Honig aus dem mediterranen Raum. Die Trockenheit verringert auch die Erträge und neben dieser Erkenntnis erweckt es das beunruhigende Gefühl, dass sich insgesamt gerade vieles in der Natur ändert. Werden die Bienen damit klar kommen? Werden Peter und Andrea damit klarkommen?

Mangold

Peter und Andrea sind nicht nur einfach Bioimker mit Zertifikat. Die beiden leben naturschonende Prinzipien in allen Bereichen. Im Garten von Andrea wohnt ins Kraut geschossener Mangold und andere Pflanzen, die über den Erntezeitraum hinaus sind, damit sie sich selbst wieder aussäen. Die kleinen Pflänzchen setzt sie dann um an eine andere Stelle im Garten, wo sie Platz haben. Gezähmte Wildnis nennt sie ihr Paradies. Marienkäfer fressen die Blattläuse und nebenan picken Hühner an einer Bienenwabe herum.

Es ist eine Wabe mit Drohnenbrut und wer die anderen Berichte über die Imkerei gelesen hat, weiß bereits, dass die Drohnen im Bienenvölkchen die männlichen Bienen sind und nur zur Begattung der Königin dienen. Sie sammeln keinen Nektar, sie bauen keine Waben. Trotzdem werden die Bienen extra dazu animiert, Drohnen zu „machen“, – mehr als sie selbst es würden, denn in deren Brutzellen nistet sich gerne die gefürchtete Varroamilbe ein. Dieser Parasit muss mittlerweile überall in der Imkerei bekämpft werden, denn die Milbe kann ganze Bienenvölker umbringen. Sie wurde irgendwann in den 70igern durch Bienenimporte von anderen Erdteilen eingeschleppt. Nun wird man sie nicht mehr los. Die Drohnenbrut beherbergt diese Milbeneier und wird im geeigneten Moment mitsamt der Milben vernichtet. Die Drohnen sind zu diesem Zeitpunkt schon Maden. Das geht Peter total gegen den Strich. Absichtlich Leben zu vernichten bereitet ihm Unbehagen. Die Drohnenbrut, auf der die Hühner hier herumhacken, ist ein Versehen. Er hatte vergessen, den Boden in einer Beute einzusetzen. In diesem Hohlraum haben die Bienen dann Drohnenbrut produziert. Er selbst provoziert in seiner Imkerpraxis keine Drohnenbrut und ist der Meinung, dass die Behauptung, die Varroamilbe niste sich dort vermehrt ein und ließe sich so gut beseitigen, nicht richtig ist.

Drohnenbrut

Er zeigt mir Teile der Wabe, die auf einem Tisch herumliegen, und bricht sie auf. Wir finden gerade mal eine Milbe. „Das rechtfertigt nicht dieses Massaker“, sagt er. Die Auffassung, dass Dinge geopfert werden müssen, sei Old School, – ein überholter Opferglaube. Man glaubt, die Drohnen würden nur fressen und seien zu nichts gut und dann gibt es Mord und Totschlag.

In der Imkerei wird die Varroamilbe im Spätsommer zusätzlich noch mit Ameisensäure bekämpft. Das ist als Biomittel zugelassen und das benutzt auch Peter. Er hat Kärtchen, auf die die Säure aufgeräufelt wird.

Außerdem setzt er als Biomittel noch Oxalsäure ein. Peter verläßt sich allein auf diese Methoden und sagt, seine Völker seien gesund. Er müsse keine Drohnen züchten um sie dann zu töten. Und diese Mittel werden zusätzlich auch von Imkern eingesetzt, die mit der Drohnenvernichtung arbeiten.

Beute

In der klassischen Imkerei ist ein weiterer Grund für das Provozieren von Drohnenbrut die Auffassung, es dämme den Schwarmtrieb ein, also die Tendenz eines Bienenvolkes im Frühjahr eine neue Königin heran zu ziehen und sich als Volk zu teilen. Die alte Königin wandert dann mit einem Teil des Volkes aus, was der Imker verhindern will.

Bienenstöcke

Auch hier arbeitet Peter anders. Er greift so wenig wie möglich in das Bienenwesen ein, schiebt keine Waben hin und her, hängt keine leeren Wabenrahmen ein und so weiter.

Beuten

Er hat statt zwei Zargen wie es üblich ist nur eine Zarge für den Brutraum der Bienen. Peter rechnet mir vor, wieviele Zellen pro Wabenrähmchen bei 10 Rahmen in einer Zarge da sind, wieviele Eier die Königin pro Tag legt und dass immer schon wieder Zellen frei geworden sind durch ausgeschlüpfte Brut, in die die Königin neue Eier legen kann. Dieser Zyklus erfordere nur eine Zarge.

Bienen

Er lässt seine Bienen also in Ruhe und begreift jeden Eingriff als Störung. In diesem kleinen Brutraum gibt es ein natürliches Gleichgewicht von Arbeiterinnenbrut und Drohnenbrut, die so nur einen kleinen Teil ausmacht.

Auch Peter will nicht, dass seine Bienenvölker schwärmen. Das abgewanderte Volk würde sich irgendwo im Umkreis an einem Ast oder Ähnlichem nieder lassen, während die Sucherbienen im Umkreis von 10 km nach einer neuen Bleibe suchen. Das Schwarmvolk geht bei diesem prekären Vorgang oft zu Grunde und ist auch für den Imker verloren, wenn er es nicht rechtzeitig einfangen kann.

Als Berufsimker muss Peter auf Ertrag achten. Nur eine junge Königin bringt gute Leistung und ein großes Volk. Bienenköniginnen werden 5 Jahre alt. Er möchte nur höchstens drei Jahre alte Königinnen haben. Die Jahrgänge werden markiert, das heißt die kleinen Königinnenbienentiere bekommen ein farbiges Plättchen auf den Rücken geklebt, jedes Jahr hat eine eigene Farbe. Für das Markieren muss die Königin im Bienenvolk gefunden, rausgefischt und vorübergehend in einen kleinen Käfig gesperrt werden. Peter macht das ohne Käfig mit den bloßen Fingern. Eine Königin, die dieses Jahr schlüpft, ist im nächstes Jahr besonders gut und legt viele Eier.

Peter beobachtet den Brutraum und schaut nach Weiselzellen, die die Schwarmlaune des Bienenvolkes anzeigen, denn sie sind so eine Art Probezellen für Königinnenbrut. Diese Weiselzellen einfach nur abzumachen bringt nix, sagt Peter, denn sie bewirken bereits eine Hormonumstellung und die alte Königin legt weniger Eier.

Magazinbeuten

Er baut zu gegebener Zeit seine Beute, die aus einem Flugloch, einem Brutraum und einem Honigraum besteht, etwas um: Das alte Flugloch bleibt unten. Hier fliegen die Bienen weiterhin rein. Darüber kommt eine frische Zarge mit neuen unbebrüteten Wabenrähmchen, dadrauf ist der alte Honigraum. Dann kommt eine Absperrung und darüber ein neues Flugloch mit dem alten Brutraum und der alten Königin. Ihr Volk fliegt aber unten rein, denn es ist das angestammte Flugloch, und kommt nicht mehr zu ihr. Oben wird das Volk immer weniger. Unten finden die Bienen keine Königin vor und züchten sich eine neue junge Königin. Schließlich trägt Peter den unteren Teil mit der jungen Königin als Ableger an einen anderen Ort. Puh…ich hoffe, ich habe das alles richtig wiedergegeben.  Klingt alles ziemlich kompliziert, aber das ist dann mal der Teil für die, die selbst Bienen haben. :)))

Peter probiert viel aus, schaut was passiert und ändert Methoden. In 30 Jahren geht dann auch mal was schief, aber insgesamt ist er zufrieden mit seinem Imkerstil.

Den Biohonig von Peter und Andrea Pätzold gibt es auf dem Offenbacher Wochenmarkt, wenn Peter im Brotwagen von Mulinbäck sitzt. Aber die beiden verkaufen ihren Hong auch in verschiedenen Lebensmittelmärkten ihrer Heimatregion. Ausser Honig stellen sie auch Honigwein, also Met, her.

Wer sich für die beiden vorangegangenen Berichte über die Offenbacher Imker interessiert, findet sie hier:

Abenteuer Honigbiene, Teil 1: Hier riecht Arbeit nach Honig

Abenteuer Honigbiene, Teil 2: Das Leben im Bienenstaat

Von |2019-11-19T10:23:29+01:00Dienstag, November 19, 2019|0 Kommentare

Abenteuer Honigbiene, Teil 2: Das Leben im Bienenstaat

Bei meinem zweiten Besuch der Bienenstöcke auf dem Friedhof blühen noch die Kirsch- und Apfelbäume. Es ist der 18. April. Die Bienen sind unterwegs und kommen mit prallen Pollenhöschen zurück. 3 km weit ist der Flugradius einer Biene, für so ein kleines Wesen eine ganze Menge.

Wer den ersten Teil des Bienenberichts noch nicht kennt, kann das hier nachholen: Abenteuer Honigbiene, Teil1: Hier riecht Arbeit nach Honig

Außer Andreas ist heute Linda mit dabei. Wir schauen wieder in alle Beuten. Diesmal geht es darum, den Bienen einen Drohnenrahmen mit in ihr Nest zu geben. Das ist ein leeres Rähmchen ohne Zwischenwand aber mit einer Querleiste in der Mitte. Die Bienen bauen diesen Rahmen selber aus und haben die Tendenz, hier Drohnenbrut anzulegen. Die Drohnen sind die männlichen Bienen, die die Königin begatten aber selbst keinen Honig sammeln oder andere Jobs machen.

Drohnen sind größer als weibliche Bienen und brauchen deshalb auch größere Zellen. Daran lässt sich Drohnenbrut gut erkennen. Auch die Königin erkennt an diesen großen Zellen, dass hier Drohnenbrut hinein soll, denn die entstehen aus unbefruchteten Eiern. Wenn ein Volk schon eine Königin hat, sind die Drohnen eigentlich überflüssig. Warum werden die Bienen mit den leeren Rahmen also zu Drohnenbrut angeregt vom Imker? Die Bienen werden von der irgendwann mal bei uns eingeschleppten Varroamilbe befallen. Diese Milbe schädigt die Bienen und die Brut. Sie vermehrt sich besonders gerne in den Zellen mit der Drohnenbrut. Wenn die Bienen diese Zellen für die Verpuppung verdeckelt haben, sind dort auch die zukünftigen Varroamilben in großer Zahl sozusagen als Varroazeitbombe mit eingeschlossen. Der Imker nimmt diese Drohnenrahmen aber wieder aus dem Nest, bevor die Drohnen geschlüpft sind und hat damit einen großen Teil des Varroabefalls entfernt. Die Drohnenbrut wird vernichtet.

Linda und Andreas sind fast fertig mit der Durchsicht der Beuten. Die Hinterste, die das letzte mal Probleme hatte, sieht diesmal anders aus. Die Bienen haben überall „Buckelbrut“ angelegt, also sehr viele Drohnenzellen.

Da dieses Bienenvolk das letzte mal schon keine Königin hatte, wurde diese Brut von einer Arbeiterin gemacht, die sich ein bisschen selbst zur Königin befördert hat. Die Buckelbrut muss weg und diese Arbeiterin auch. Andreas und Linda tragen die einzelnen Zargen ein gutes Stück weg und fegen die Bienen von den Waben ab. Die Pseudokönigin findet den Weg in das Volk nicht mehr, weil sie durch ihre Arbeit zu träge geworden ist, die anderen Bienen aber kehren in ihr frisch gemachtes Nest zurück. Die Waben sind ausgetauscht und zum Teil mit welchen aus den anderen Völkern ergänzt, in denen frische Brut ist. Die Bienen können die kleinen Larven noch zu Königinnen machen, indem sie ihnen Königinnenfuttersaft geben.

Am 30. April schauen wir wieder vorbei in der kleinen Bienenstadt.

Die letzte Beute wird diesmal in Ruhe gelassen. Andreas kippt nur vorsichtig kurz die Zarge hoch, um mal rein zu blinzeln. Wenn jetzt Weiselzellen da sind, könnten sie abgebrochen werden. Weiselzellen heißen die Zellen, in denen eine Königin entsteht. Sie sehen ganz anders aus, als die üblichen Brutzellen. Sie hängen buckelig und rund leicht schräg an der Wabe, sind groß und gut sichtbar und haben unten eine Öffnung.

In den anderen Magazinen findet das wie ich inzwischen gelernt habe, routinierte Imkerhandwerk statt. Oberen Honigraum abnehmen, Gitter lösen, die Bienen mit den Smoker in ihr Nest treiben und die mittlere Zarge hochkippen. Ein starkes gesundes Volk besteht aus vielen Bienen, reichlich Arbeiterinnenbrut, bestifteten Zellen und Honig- und Pollenvorräten. Andreas sieht nach den Drohnenrahmen und tauscht hier und da etwas aus.

Der Bienenzyklus:

Aus einem Stift schlüpft nach drei Tagen eine Larve, die von den Ammenbienen mit Futtersaft gefüttert wird. Nach 6 Tagen sind aus den kleinen Larven dicke Rundmaden geworden, die die Zelle ganz ausfüllen. Die Ammenbienen machen einen porösen Deckel auf die Zelle und die Made verpuppt sich nun. Nach 12 Tagen schrotet sie ohne fremde Hilfe von innen den Deckel ab und verlässt die Zelle. Die Putzbienen machen die Zelle sauber für die nächste Bestiftung. Alle weiblichen Bienen können grundsätzlich jeden Job machen. Aber sie fangen als Ammenbiene mit der Brutpflege an, werden nach etwa 10 Tagen Baubienen und erst später werden sie Flugbienen und sammeln Nektar und Pollen.

Auf dem unteren Bild ist in der Mitte die Königin zu sehen. Sie ist etwas größer und länglich.

Das Wetter wird noch einmal ziemlich kühl. Aber die Obstblüte ist vorbei und ich freue mich über kleine Babyäpfel an meinem Apfelbaum. Die Bienen fliegen nicht bei kaltem und regnerischem Wetter. Schließlich gibt es aber doch wieder eine weitere Durchsicht zwei Wochen später. Wir haben jetzt den 13. Mai. Diesmal ist Linda wieder dabei.

Dieses hier ist eine schon gut gefüllte Honigwabe.

Die Drohnenrahmen sind fleißig ausgebaut und verdeckelt. Der perfekte Zeitpunkt, um sie herauszunehmen und wieder einen neuen leeren Rahmen einzusetzen.

Hier und da entdecken wir Spielnäpfchen. Die sehen aus wie Weiselzellen, also größer und irgendwie etwas knubbelig und unförmig irgendwo mit dran geklebt. Auch sie haben unten eine Öffnung. An den Spielnäpfchen können Imker erkennen, dass das Volk gerne eine weitere Königin hätte. Sie sind in Schwarmstimmung und wollen sich teilen. Die alte Königin verlässt dann mit einem Teil des Volkes, meistens erfahrenen Sammlerbienen, das Nest um irgendwo ein neues Volk zu gründen. In den Weiselzellen schlüpfen neue junge Königinnen, von denen eine übrig bleibt, denn die erste macht ihre Schwestern kalt, – wozu hat sie sonst den Stachel.

In der Imkerei versucht man, den Schwarmtrieb zu unterdrücken, denn das zurückbleibende Volk wird schlagartig mehr als halbiert. Es bestünde die Gefahr, dass es sich bis zum Winter nicht ausreichend erholt und die Honigausbeute ist auch mau. Hier greift der Imker also wieder in den natürlichen Ablauf ein. Die Spielnäpfchen werden entfernt. Aus die Maus.

Unsere Problembeute hinten in der schattigen Ecke sieht erschreckend aus. Beim Hochkippen der Zarge sind kaum Bienen zu sehen. Die, die da sind, sehen träge und krank aus. Es liegen viele tote Bienen herum. Linda vermutet, dass sie verhungert sind. Vielleicht wurde das geschwächte Volk von den anderen Bienen ausgeräubert. Bienen bewachen eigentlich ihr Flugloch und schützen ihr Volk vor fremden Eindringlingen. Aber wenn es derart geschwächt ist, wie dieses Volk, klappt das nicht mehr. Wir hätten beim letzten mal das Flugloch mit einem Gitter verkleinern sollen. Die Wächterbienen hätten dann ihr Volk leichter verteidigen können. Aber es hat leider keiner daran gedacht. Andreas findet, dass das Volk aufgelöst werden sollte. Linda will ihnen noch eine Chance geben. Nach einigen Überlegungen werden Waben, die voller Honig sind aus den anderen Bienenstöcken in das geschwächte Volk eingehängt. Linda meint, wenn sie sich jetzt noch mal den Bauch voll schlagen, können die Bienen sich wenigstens soweit erholen, dass sie eine Chance haben bei einem anderen Volk aufgenommen zu werden. Außerdem bekommen sie jetzt das Verkleinerungsgitter vor das Flugloch. Der Anblick von einem halbtoten Bienenvolk ist sehr traurig. Ich hätte nicht gedacht, wie sehr.

Wie aller Umgang mit Lebendigem ist auch in der Imkerei viel Intuition und Erfahrung nötig. Ich begreife noch nicht so viel von dem, was da vor sich geht. Aber das komplexe Gebilde von einem Bienenwesen ist sehr faszinierend. An der letzten Beute sehe ich, wie schnell die Lebensbedingungen für die Bienen nicht mehr stimmen können.

Fortsetzung folgt…

Von |2019-06-17T16:38:08+02:00Montag, Juni 17, 2019|0 Kommentare

Abenteuer Honigbiene, Teil 1: Hier riecht Arbeit nach Honig

Honigbiene

Wenn die ersten Blüten aufpoppen, geht’s los. Die Honigbienen haben in ihrem Bienenstock überwintert und sind jetzt, wenn es langsam warm wird, unterwegs um Pollen und Nektar zu sammeln. Die Saison startet mit der Kirschblüte.

Honigbienen leben in einem kompliziert aufgebauten Bienenstaat und sind aus verschiedenen Gründen gefährdet. Auch Hummeln sind Bienen. Sie leben nur im Sommer in einem Staat, während die Honigbienen immer in einem Volk leben.

So, – das ist erstmal alles was ich weiß. Nicht wirklich viel zum Angeben.

Aber ich habe in Offenbach die Bekanntschaft von Hobbyimkern gemacht und darf dabei sein, – beim Imkern, beim Bienenvolk pflegen, beim Honigmachen. Die Imker haben ihre sogenannten Beuten auf einem Offenbacher Friedhof. Dort gibt es reichlich Blüten und die Bienen werden unbehelligt gelassen.

Am 30. März geht’s los für eine erste Durchsicht. Ich treffe mich mit Andreas an einem kleinen Häuschen, das den Imkern als Domizil für ihre Sachen dient, und wir stapften kurze Zeit später in Imkerkluft und einem Wägelchen an den Friedhofsgräbern vorbei zu der kleinen Bienensiedlung.

Die Magazine mit den Bienenvölkern bestehen aus mehreren Zargen. Die unteren beiden dienen den Bienen als Brutraum. In der oberen Zarge ist der Honigraum, der erst nach der Überwinterung aufgesetzt wird. Bei einem starken Volk kommt im Laufe der Saison noch ein weiterer Honigraum dazu.

Die Bienen würden hier eigentlich dasselbe machen, wie im Brutraum. Aber der Honigraum ist vom Brutnest durch ein Gitter getrennt, so dass die große Königin sich nicht durchzwängen kann. Keine Eier, keine Brut. Also wird oben nur Honig eingelagert von den fleißigen Arbeiterbienen. Später sind das dann die Waben, die ihnen so frech geklaut werden.

Der Rauch aus dem Smoker treibt die Bienen zurück, denn der Rauch signalisiert ihnen Feuer und Gefahr. Sie schlagen sich den Bauch, oder besser die „Honigblase“, mit Honig voll und sind weniger stechlustig.

Andreas macht Ende März erst einmal eine kleine Inspektion und schaut, ob alle gesund und munter sind. Er kippt dazu die einzelnen Zargen hoch und nimmt sie manchmal ab. In den Zargen sind Wabenrähmchen eingehängt, in die die Bienen ihre Zellen bauen. Sie finden in den Rahmen bereits Zwischenwände aus Wachs haben vor, die der Imker vorher „eingelötet“ hat. Die Bienen bauen Zellen für Pollen, für Honig, für die Brut der weiblichen Arbeiterbienen und für die Brut der männlichen Drohnen, welche aus unbefruchteten Eiern entstehen.

Andreas nennt seine Bienen liebevoll „Damen“. Es ist tatsächlich so was ähnliches wie ein Matriarchat. Die Bienen leben in einem Volk von bis zu 20 000 Bienen mit einer einzigen Königin. Jede Biene hat eine bestimmte Aufgabe und man spricht auch von einem Bienenvolk als ganzem Organismus, der im Gegensatz zu einer einzelnen Biene eine konstante Körpertemperatur hat. Es heißt dann „Bien“ oder „Bienenwesen“. Eine Biene alleine ist nicht überlebensfähig und das Volk selbst braucht aber auch die Arbeit jeder einzelnen Biene. Das Sammeln von Pollen und Nektar ist dabei nur ein Job von vielen. Die Arbeiterbienen und die Königin sind weiblich, nur die Drohnen sind männlich. Die Drohnen werden nur in geringer Zahl benötigt und dienen ausschließlich dem Begatten der Königin. Danach sind sie in einem Volk erstmal überflüssig.

Seit 2011 hat Andreas Bienen. Das Abenteuer fing mit einem Workshop im Offenbacher Imkerverein an. Während eines Jahres durfte er sein eigenes Bienenvolk betreuen. Jeden Sonntagmorgen hat er nach seinen Bienen geschaut und sie schließlich auf seine Terrasse verlegt. Nach einiger Zeit waren seine Bienen auf drei Völker angewachsen, er fand Linda und Hakan, die auch Lust auf’s Imkern hatten, und den Platz auf dem Friedhof. Mittlerweile haben die drei Hobbyimker 9 Beuten.

Andreas prüft, ob es frische Brut gibt und Zellen, in denen Eier abgelegt sind. Er nennt das Stifte. Die Zellen müssen also bestiftet sein. Er ruckelt die verklebten Wabenrahmen frei, nimmt hier und da eine heraus und prüft sorgfältig, was sich darin tut. Ich sehe mit meinem ungeübten Auge gar nichts, aber Andreas murmelt immer wieder: “Ah ja, gut, alles super, bestiftet, klarer Fall“. Die Königin legt also fleißig Eier und die Brut wird gepflegt. Erst später auf den Fotos entdecke ich die kleinen Dinger.

Auf diesen Bildern ist in der Mitte ihre Hoheit, die Königin, höchstpersönlich zu sehen. Sie ist größer und länglicher als die Arbeiterbienen. Die Stifte in den Zellen sind die frisch gelegten Eier und daneben liegen Larven in unterschiedlichen Stadien in einem Futtersaft. Später, wenn die Larven zu einer dicken Made gewachsen sind und die Zelle ganz ausfüllen, wird ihre Behausung oben verdeckelt und sie können sich verpuppen.