Foodish Talk 2017-12-17T14:49:20+00:00

Es gibt eine Menge zu reden über’s Essen. Der eigene Teller ist bestimmt das Zentrum, aber von dort gehen hunderte unsichtbare Verbindungen in alle möglichen Richtungen. Wodurch und woher ist da eigentlich etwas drauf auf meinem Teller? Außerdem steht der selbst auch noch auf einer dicken Serviette aus Tradition, Kultur und jahrhundertealter Kochkunst.

Auf dieser Seite wird alles gesammelt, was sich so im Laufe der Zeit vorne mal getummelt hat. Diskussionen über Lebensmittelverarbeitung und -herstellung, Politik, Tipps zu spannenden Sendungen, Berichten oder Seiten und so weiter. Essen ist nicht nur hübsch, lecker, happs und weg. Es ist unsere Lebensgrundlage, an der immer wieder von allen Seiten gezerrt und manipuliert wird. Da lohnt es sich allemal, mitzureden und über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen.

Kurz: Ich kann nicht einfach nur einen Food Blog machen, wo alles schön und lecker ist – sondern bei mir sollen Kopf, Herz und Bauch gemeinsam am Tisch sitzen.

G E S C H I C H T E N  V O M  E S S E N

Schätze in Offenbachs Untergrund

Shiitake

„Da gibt es uralte Gewölbekeller in Offenbach, tief unter der Erde und halb verfallen…“

Mit diesen Worten hat vor längerer Zeit mal jemand meine Fantasie in Fahrt gebracht und ich stellte mir vor, dass es viele, viele Meter unter meinen Füssen eine Parallelwelt gibt, deren bildhafte Vorstellung gespeist wurde aus Piranesis Carceri und den Behausungen der Orks aus Herr der Ringe. Als mir schließlich auch noch erzählt wurde, in einem dieser Gewölbe würde jemand Pilze züchten, die er dann auf dem Offenbacher Wochenmarkt verkauft, war die Lunte gelegt.

So weit weg von meiner Vorstellung war dann der „Pilzkeller“ von Mathias Kroll tatsächlich nicht, – nur freundlicher.

…..hier geht es zum Bericht über Offenbachs Pilzgewölbe

Kochen mit Freunden

Kuechentisch

In irgendeiner Untersuchung über die Erinnerungen von Menschen wurde festgestellt, dass die meisten eine sehr deutliches und lebhaftes Bild über ihr Essgeschirr aus der Kindheit im Gedächtnis haben. Ich konnte das sofort bestätigen und sah die weißen Teller mit den blauen Blumen vor mir. Sicher ist der Grund für dieses Erinnerungsvermögen der tägliche Blick auf den Teller, aber es ist möglicherweise auch das Essen selbst, welches mehr ist, als das, was auf dem Teller liegt. Es sind Geräusche, Gerüche, Gespräche bei Tisch, die Stimmung in der Familie, der Umgang mit Essen, was man nicht mag oder aber besonders liebt. Auf dem Teller liegt ein jahrhundertelang gekochter Klacks Kulturgeschichte. Das was alles zusammenhält, ist gemeinsames Kochen und Essen. Das Bild des Tellers selbst ist also nur so eine Art Ikonographie für all das.

Im Haus von Caroline und Alex in Frankreich gibt es mittlerweile eine eigene Koch- und Esstradition mit Freunden –  an einem großen Tisch, im Garten am Lagerfeuer, mit französichen Zutaten und Mitgebrachtem aus Deutschland, Erinnerungen an Gewusel in der Küche, zwei stehen da mit Tee in der Hand, drei schneiden, braten, kochen. Caroline und Alex haben diesen Ort schon immer großzügig und gastfreundlich geteilt.

…..hier geht es zur Fotogeschichte über das Raviolimachen

P O L I T I S C H E S

INTERNATIONALES FORUM GASTROSOPHIE

…das klingt ziemlich schräg. Wahrscheinlich ist es das auch. Aber trotzdem der politische Bezug unserer Ernährung und Lebensmittel-
produktion inzwischen vielen sehr deutlich ist, kommt diese Webseite und Initiative noch konsequenter daher. IFG möchte thinktank sein und orientiert sich an dem Motto „Good Food For All“. Eine spannende Seite, die über das übliche Gerede weit hinaus geht.

Internationales Forum Gastrosophie

MUNDRAUB

Wenn ihr schon immer wissen wolltet, ob es in eurer Nähe einen Haselnussbaum gibt oder eine schöne Brombeerhecke, die offensichtlich keinen Besitzer hat außer der Natur selbst, dann könnt ihr das hier nachsehen. Vielleicht wisst ihr ja auch selbst einen guten Ort, um dem Sammlerinstinkt zu folgen. Die Karte mit den eingetragenen Fundorten geht weit über Deutschland hinaus. Die Seite verfolgt keine kommerziellen Zwecke und strebt vielmehr eine Gemeinschaft Gleichgesinnter an.

hier geht’s zu MUNDRAUB

F I L M T I P P

HANDWERKSKUNST! WIE MAN EIN ECHT GUTES BROT BACKT
Brot backen macht glücklich, manchmal lässt es einen aber auch verzweifeln. In dieser Sendung vom SWR erzählt ein Bäcker auf dem Land, wie er in einem Holzofen mit alten Sauerteigkulturen, viel Wissen, Geduld, Zeit und Erfahrung Brot backt. Ich habe einiges gelernt aus diesem Bericht.
Handwerkskunst! Wie man ein echt gutes Brot backt

B Ü C H E R

Kraeuterbluetenbuch

KOSTBARE KRÄUTERBLÜTEN

Eveline Bach, Gabriele Halper und Luzia Ellert (Fotos)

1, 5 kg Kräuterblütenrezepte

Ohne Bücher geht bei mir nicht viel. Von Arno Schmidt bis Jamie Oliver, oder von Kant über das Aroma-Kochbuch von Vierich/Vilgis und der mediterranen Küche Sarah Wieners zum geliebten Kafka, das ist bei mir alles friedlich vereint. Bücher waren für mich immer schon Quelle von Wissen und Auseinandersetzung. Gute Kochbücher sind massives Wissen über unsere Nahrungsschätze, deren Zubereitung und ihren Ursprung. Bereits als Kind fand ich Rezepte ungeheuer geheimnisvoll. Sie schienen mir der Schlüssel zu erstaunlichen Dingen zu sein, ist doch ein Rezept das in Worte gegossene Wissen über eine spezielle Zubereitung die wenig später leibhaftig vor mir steht, – manchmal anders, als ich es erwartet hatte. Da ist plötzlich Geschmack und Textur wo vorher nur Worte waren. Ich empfinde das immer wieder als Wunder.

Aber Rezepte verleiten auch dazu, faul zu werden, sich komplett auf eine Anleitung zu verlassen, die natürlichen und variierenden Eigenschaften der Zutaten zu missachten und bei ausbleibendem Erfolg dem Rezept dafür die Schuld zu geben. Bei mir führte diese Erfahrung mittlerweile dazu, mal die Kochbücher, – denen ich viel Wissen und Fertigkeit verdanke, etwas in den Hintergrund zu schieben, damit ich mich besser auf mein eigenes Gefühl zu verlassen lerne. Es kommt also nicht mehr jedes Kochbuch in die „Hall of Fame“ auf meinem Regal.

Als ich dieses Kochbuch über Kräuterblüten in die Hände bekam, war allerdings doch schnell klar, dass ich es nicht mehr hergebe. Essbare Blüten sind sowieso gerade Thema bei mir und diese 95 Rezepte haben mir schlicht den Atem verschlagen. Couscous mit Ysop-Blüten, Seeteufel mit Estragonblüten, Kapuzinerkresseblüten-Eis, Radieschenschaumsuppe mit Petersilienblüten – was soll man dazu noch sagen? Welche Pracht steckt schon allein in diesen Worten? Und wenn ein Kochbuch bei mir dann schließlich voller Zettel ist, hat es irgendetwas richtig gemacht.

Die Rezepte sind außerordentlich erfinderisch, ungewöhnlich und spannend. Gabriele Halper, Köchin, Foodstylistin und Rezeptautorin, schafft es, mich mit ihrer Leidenschaft und Kreativität mitzureißen, zunächst in die Vorstellungswelt, wie das eben bei Wörtern so ist. Oder sind es die detailreichen, üppigen und verspielten Fotos von Luzia Ellert? Gewagtes Styling ist das – bunte Blüten auf bestickten Decken und Geschirr mit eigenem Blütendekor. Doch die Fotos sind atmosphärisch dicht, verspielt und chaotisch schön. Die Dritte im Kräuterbündchen ist Eveline Bach, die als Gärtnerin die lebendige Schönheit der Blüten und Kräuter überhaupt erst möglich macht. Das Buch gibt einen kleinen Jahreszeiteneinblick in ihre Gärtnerei. Ich spüre in den Fotos die Arbeit und die Mühe, aber auch die Liebe zu den Pflanzen.

26 Kräuterpflanzen und ihre Blüten von Anis-Ysop bis Zitronenmelisse werden in jeweils mehreren, vielfältigen Rezepten sorgfältig bedacht, eigebettet in ein pastellenes Layout mit für meinen Geschmack etwas zu verschnörkelter Schrift. Das birgt leider die Gefahr, dass das Buch zu schnell in die Hausmütterchenecke geschoben wird, was es sicher nicht verdient hat. Ich finde es toll, dass sich mittlerweile so viele sehr unterschiedliche Menschen für das Kochen begeistern, alt und jung, Frau und Mann, Chaot und Perfektionist. OK, – wer greift zu einem Kochbuch auf dessen Cover ein tätowierter Jungkoch neben einem Grill steht? Wer will das Buch mit Schnörkelschrift, pastellfabenem Layout und lila Rücken? Also: An alle tätowierten kochambitionierten jungen Männer: Dieses Buch ist auch für euch bestimmt spannend. Festzustellen bleibt, dass es ein neutrales Layout nicht gibt und bevor ich mich in dieser Marginalie festbeiße sollte klar sein: Ich gebe dieses Buch nicht mehr her.

„ Kostbare Kräuterblüten“, Eveline Bach, Gabriele Halper, Fotos: Luzia Ellert

Löwenzahn im Studienverlag Ges.m.b.H., Innsbruck, 2017

ISBN 978-3-7066-2590-6